Der Rüstersieler Hafen: Ein ruhiger Ort zum Schiffe bestaunen

- - Wilhelmshaven

Früher war der Rüstersieler Hafen ein Anlegepunkt für Frachtschiffe. Heute kann man hier Segler bestaunen. „Die Ruhe hier ist etwas ganz Besonderes“, sagt Hafenmeister Uwe Tjaden.

Von Matthias Schwarzer

Den Rüstersieler Hafen kennt Uwe Tjaden bereits aus seinen Kindertagen. „Wir sind hier baden oder segeln gegangen, sind im Winter von den Deichen gerodelt und auf der Maade Schlittschuh gelaufen“, erinnert sich der heutige Hafenmeister. „Mein Vater hatte hier einen Schmiede- und Fuhrbetrieb. Der Weg zum Hafen war nicht weit. Und hier gab es einfach alles, was man sich als Kind wünschen konnte“.

Doch von dem, was Uwe Tjaden hier als Kind erlebte, sollten später nur Erinnerungen bleiben. Dem Rüstersieler Hafen drohte einige Jahrzehnte später der Niedergang. Waren bis 2003 noch verschiedene Segelvereine im Hafen ansässig, verließen diese nach und nach Rüstersiel. Tjaden nutzte seine Chance – und pachtete den Hafen.
„Mein Wunsch war es, den Rüstersieler Hafen wieder zu dem Ort zu machen, der er einmal war“, erzählt er. Ein engagiertes Ziel, bringt doch der Hafen eine mehr als 400-jährige Geschichte mit sich.

Erstmals erwähnt um 1520 war der Rüstersieler Hafen vor allem ein Anlegepunkt für Frachtschiffe. Um 1806 sollen hier fast 2.500 Schiffe jährlich ein und ausgefahren sein. Und: Der Hafen spielte auch eine große Rolle beim Bau des Wilhelmshavener Hafens: „Von der Ziegelei Himmelreich-Coldewei, nicht weit von hier entfernt, wurden Steine mit Pferd und Kutsche in den Hafen transportiert und von hier aus mit Frachtschiffen in den sogenannten Interimshafen von Wilhelmshaven gefahren“, erklärt Tjaden. Von dort aus ging es mit Kutschen weiter zum heutigen Hafenareal, wo die ersten Häuser gebaut wurden.

Ab etwa 1910 war Rüstersiel als Nordseebad bekannt, viele Badegäste kamen, Krabbenfischer nutzten den Hafen zum Verladen ihres Fangs. Mit Beginn des Krieges wurde der Schiffsverkehr dann eingestellt, später ließen sich die Segelvereine hier nieder.

Heute kommen wieder viele Segler aus dem ganzen Land nach Rüstersiel. „Wir haben Gastlieger aus Wuppertal, Düsseldorf, Dortmund, Stuttgart, Hannover oder Frankfurt“, erzählt Tjaden stolz. Nach verschiedenen Bau- und Restaurierungsmaßnahmen um 2009 sei auch das Flair des Hafens wiederhergestellt.

„Die Ruhe hier in Rüstersiel ist etwas Besonderes, das hat nicht jeder Hafen zu bieten“, erklärt Tjaden. Aber auch der Zusammenhalt untereinander zähle zu den Besonderheiten. „Hier gibt es eigentlich alles, was man sich als Skipper wünscht“, so Tjaden. „Im Hotel direkt nebenan kann man gut übernachten, die Boote liegen windgeschützt.“ Außerdem sei der Hafen tideunabhängig – außer im Winter habe man nicht mit Wasserschwankungen zu kämpfen.
Bislang wurden in dieser Serie vorgestellt: der Rüstringer Stadtpark, die Burg Kniphausen, das Marine­museum, der Störtebeker Park, die Neuender Kirche und das Freizeitbad „Nautimo“.

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